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20.06.2006, 01:50 (Schnarchenweiler Sonnenuhrzeit)

Kirmes

Eine typische Dorfkirmes, wie man sie zum Beispiel einmal im Jahr in Schnarchenweiler findet, besteht aus einem Kinderkarussel für die Kleinen, einem Autoscooter für die pubertierende Jugend, ab und zu gibt es als optionales Fahrgeschäft eine in die Jahre gekommene Raupenbahn, unter deren geschlossenem Verdeck es gegen Ende der Fahrt oft zum ersten Kuß kommt (oder zu einer saftigen Ohrfeige), die Boxbude für halbstarke Bauernsöhne, einen Pommesstand mit angeschlossener Backfischausgabe für die Grundlage, im Wagen nebenan gibt es geröstete Mandeln zum Nachtisch, an der Schießbude werden am laufenden Band bunte Federn, Plastikblumen und Plüschherzen erlegt und in der Mitte steht die Hauptattraktion: das Bierzelt. Gegen acht oder neun Uhr ist praktisch keiner der Besucher mehr nüchtern und gelegentlich setzt sich ein Boxkampf, der in der Boxbude gestartet wurde, als Kirmesschlägerei im Freien fort.

Eine typische Großstadtkirmes besteht aus einer Vielzahl von hochtechnisierten Fahrgeschäften, welche zusammen mit einer großen Anzahl Imbiß- und Bierständen auf engem Raum konzentriert sind. Durch die engen Gassen schieben sich dicht an dicht die Besucher, es ist heiß, die Luft ist stickig, ständig kollidiert man mit anderen Personen und kommt nicht voran.

Und dann gibt es eine Kirmes, die das Beste aus Dorf- und Großstadtkirmes vereint und deren jeweiligen Nachteile wegläßt. Die Kirmes in Oberhausen-Sterkrade, die ich bis jetzt noch nicht kannte, erstreckt sich über den gesamten Innenstadtbereich, ist so weitläufig, daß es nur an wenigen Stellen gelegentlich zum Gedränge kommt und bietet sowohl Nostalgie als auch Hitech-Magenumstülp-Fahrgeschäfte.

Großstadtkirmes (01/15)
Hineinspaziert, hineinspaziert ...

Großstadtkirmes (02/15)
... hier gibt es nicht nur den üblichen Backfisch, Würste und Spießbratenbrötchen, sondern hier findet auch der Vegetarier einen herzhaften Happen.

Großstadtkirmes (03/15)
Der neueste Trend in der Kirmesgastronomie - gekühlte Gurken.

Großstadtkirmes (04/15)
Eismaschinen-Altertümchen. Ganz dunkel kann ich mich daran erinnern, daß solche Maschinen in den sechziger Jahren ziemlich verbreitet waren.

Großstadtkirmes (05/15)
Ohne Worte

Großstadtkirmes (06/15)
Der Knödelwurf verspricht den sportlichen Abbau des Völlegefühls.

Großstadtkirmes (07/15)
Natürlich hilft bei akuten Blähungen auch der bewährte "Hau-den-Lukas".

Großstadtkirmes (08/15)
Wo lassen sich eigentlich Geister beschaffen? Ich bräuchte noch ein bis zwei Gespenster für mein Domizil auf dem Lande (1 x schauriger Kettenrassler im Keller und 1 x halbdurchsichtige, grüne bzw. weiße Lady für den Flur- und Schlafgemachbereich werden bei einer eventuellen Einstellung bevorzugt).

Großstadtkirmes (09/15)
Ein unverzichtbarer Bestandteil einer Großkirmes ...

Großstadtkirmes (10/15)
... ist das Riesenrad.

Großstadtkirmes (11/15)
Kettenkarussel von anno dazumal - leider stand den Kirmesbesuchern eher der Sinn nach Fahrgeschäften, die eine schnelle Magenentleerung garantieren.

Großstadtkirmes (12/15)
"Hereinspaziert, hereinspaziert, sehen sie Arabell, die Dame ohne Unterleib, nicht in Spiritus eingelegt, sondern lebend, lassen sie sich von der Hellseherin ihre Zukunft voraussagen ..."
Hmmm ... übernimmt nun die Wahrsagerin die Rolle der Dame ohne Unterleib oder spielt die Dame ohne Unterleib auch die Wahrsagerin?

Großstadtkirmes (13/15)
"... auf dieser Bahre, unter diesem Tuch, liegt unsere Dame ohne Kopf. Kommen sie herein und erleben sie, wie das Tuch gelupft wird ..."


Großstadtkirmes (14/15)
... und wenn das immer noch nicht reicht, wartet die nächste Attraktion, der Mäusezirkus, gleich hinter der Ecke.

Großstadtkirmes (15/15)
Noch ein Tip von Eurem Kirmesexperten Wendelbald: Hebt Euch den Loskauf bis ganz zum Schluß auf. Entgegen aller böswilligen Gerüchte gibt es durchaus Hauptgewinn-Lose und wenn man ein solches erwischt, muß man den Kirmesrundganges mit einer Riesenratte oder einem rosaroten Plüschbär auf der Schulter fortsetzen.